Spurnullbahner

Gleisreinigungs- und Staubsaugerwagen

Sonderfahrzeug Nr. 750

... die Wagennummer ist fiktiv.

Wer sich mit dem Thema Gleisreinigung schon mal beschäftigt hat, weiß, dass das Thema notwendig ist, aber auch eine echte Herausforderung darstellt, insbesondere dann, wenn auf einer Anlage Oberleitungen vorhanden sind.

Für die Spur 0 gibt es z. B. ein Modell von der Fa. Lux, wobei die Preisliste, die man auf der LUX-Homepage findet, von 2017 ist!? Gibt es diese Modelle wirklich? Jedenfalls kann man lesen, dass der Wagen Saugen, Polieren und Nassschleifen kann. Und er soll so um die 1000 Taler kosten. Ist eventuell ein Selbstbau möglich? Auf Youtube kann man sich Beiträge über einen Selbstbau für die Spur H0 ansehen.

Ok ... es wird ein Eigenbau für die Spur 0. Was soll der Wagen alles können?

- Reinigen und Polieren
- Saugen
- Sammeln der aufgesaugten Dinge
- Steuerung mit Hilfe eines DCC-Decoders

Das Schleifen verkneife ich mir. Ein befreundeter Straßenbahnmodellbauer aus Magdeburg hat mir davon abgeraten und ich denke, dass er recht hat.

Weiterhin soll der Wagen nicht mit einem breitem Reinigungskissen ausgestattet werden, welches die gesamte Schienenbreite abdeckt. Das könnte bei einem Straßenbahngleis, welches z. B. komplett eingepflastert ist, eventuell zu Problemen führen, aber eine Option wäre das auf jeden Fall, wenn mein Versuchsaufbau nicht funktioniert.

Der Wagenkasten

Als Basis für den Wagenkasten werden
- ein Bodenblech (1 mm Messing) von einem T4D
- ein Druckteil für den Wagenkasten (Eigendruck)
- ein Druckteil für das Dach (Eigendruck)
verwendet.

Die Drehgestelle

Das mittlere Drehgestell ist die Poliereinheit. Sie besteht aus zwei angetriebenen Achsen mit Polierscheiben (vom Dremel, halbierte Scheiben, austauschbar). Damit eine Kurvenfahrt überhaupt möglich ist, kann das Drehgestell sich seitlich nach links bzw. rechts verschieben!

Hergestellt wird der Drehgestellrahmen als 3D-Druck. Mittig ist ein Faulhabermotor vom Typ 1319 angeordnet. Er hat eine durchgehende Achse, so dass auf beiden Seiten ein Schneckenrad (Modul 0,4) angebracht werden kann.



Das vordere und das hintere Drehgestell - ebenfalls ein 3D-Druck - stellen die Reinigungseinheit dar. Sie sind baugleich. Zwischen den Rädern sind von Märklin Reinigungspads eingesetzt (austauschbar). Die Artikelnummer lautet E106291. Die Teile sehen wie Schienenbremsen aus und sind jeweils mit zwei Druckfedern ausgestattet, so dass sie mit leichtem Anpressdruck über die Schienenköpfe geführt werden. Beide Drehgestelle verfügen über eine Stromabnahme.



Beim Einbau der drei Drehgestelle muss genau gearbeitet werden, damit der Wagen in der Spur bleibt, aber auch die Filzrollen des mittleren Drehgestelles mit leichten Anpressdruck die Schienenköpfe berühren.

Die "Schienenbremsen" werden in einer T-Nut im Drehgestellrahmen geführt, so dass sie bei der Fahrt in Position bleiben, aber auch gleichzeitig in der Höheneinstellung variabel sind.

Dann muss der Wagen auf jeden Fall noch mit Gewichten versehen werden. Das wird dann später die Testfahrt zeigen ...

Staubsauger

In der hinteren Hälfte des Wagens befindet sich die Staubsaugereinheit, bestehend aus "Saugtrichter" (unterhalb des wagens angeordnet), Lüfter und Auffangbehälter.






Der Wagen verfügt über einen Lenz-Standard-Decoder, der den Motor für das mittlere Drehgestell und den Lüfter vom Staubsauger ansteuert.


Der fertige Wagen:



Reinigungsflüssigkeit


Die Filzrollen können mit einer Reinigungsflüssigkeit (wenig) benetzt werden. Welche Flüssigkeit sich am besten eignet, muss noch herausgefunden werden. Das Internet gibt diverse Hinweise dazu. Zum Beispiel das Reinigungsöl (ja Öl!?) SR 20

Eine Probefahrt wird zeigen, ob der Wagen das tut, was er machen soll ...

Nachsatz: bei diesem ersten Testbau ging es nicht um Schönheit oder dergleichen, sondern um das reine Testen der Funktionalität.


Update v. 19.10.2021:


Zwei, drei Testfahrten sind erledigt. Die mittlere Reinigungseinheit wurd noch einmal in der Höhe angepasst. Hier kommt es auf Zehntelmilimeter an. Dann wurden zusätzlich noch zwei Gewichte eingebaut.

Die Adressen der beiden Modelle (Zugfahrzeug und Reinigungsfahrzeug) müssen nicht unbedingt gleich sein. Eine Möglichkeit ist, dass der Motor des Reinigungsfahrzeuges schneller läuft ... auch Vollast hat sich im Test als gut bewiesen.

Nach mehreren Runden wurde mit einem Temp-Taschentuch und etwas Spiritus der Reinigungseffekt geprüft. Nach meiner Einschätzung wurden 90% Reinigung erzielt. Mehr war nicht zu erwarten, weil die Reinigungsrollen und -schleifer relativ schnell verschmutzen.

Der Staubsauger kann einzeln zugeschaltet werden (F1-Taste).



Der größte Aufwand besteht wohl im Austausch der Reinigungsteile. Aber grundsätzlich funktioniert der Testaufbau. Und was auch noch wichtig ist, man braucht ein leistungsstarkes "Zugpferd". Für eine kleine bis mittelgroße Straßenbahnanlage kann der Gleisreinigungs- und Staubsaugerwagen gute Dienste leisten.

Werde ich zum Patent anmelden ... man weiß ja nie.

Ein kleines Video folgt demnächst.