Spurnullbahner

Gotha B57 + B59 (1)

Steckbrief Magdeburger Gotha-Beiwagen

Bezüglich des Wagentyps gibt es unterschiedliche Aussagen in der Literatur bzw. im Internet. Mal wird vom B57 und mal vom B59 geschrieben. Wer weiß es ganz genau?

Daten vom Vorbild

Serie

BW 500 bis 505

Straßenbahnbetrieb

VEB (K) Magdeburger Verkehrsbetriebe

Hersteller

VEB Waggonfabrik Gotha

Baujahr

1960

Spurbreite

1.435 mm

Länge über Stirnwand

10.900 mm

Länge über Kupplung

12.000 mm

Breite

2.200 mm

Wagenhöhe

3.115 mm

Achsabstand

3.200 mm

Leergewicht

8.000 kg

Bemerkungen

Geschlossener Zweirichtungswagen
22 Sitzplätze, 83 Stehplätze

Verbleib der Wagen

BW 500: 1978 nach Frankfurt/Oder
BW 501 bis 504: 1977 nach Rostock
BW 505: 1978 verschrottet



Bilder vom Vorbild

In Vorbereitung ist der Bau von zwei Beiwagen des Typs Gotha B57/B59 (siehe Tabelle mit den techn. Daten). In Magdeburg wurden die BW 500 bis 505 im Jahr 1960 als Zweirichtungswagen in Dienst gestellt. Sie waren bis 1977/78 in Magdeburg im Einsatz. Danach wurden sie bis auf BW 505 an andere Betriebe abgegeben.

Im Wagenbestand des Museumsdepots befindet sich heute u.a. ein Gotha-Beiwagen aus dem Jahre 1960, der 1968 als Triebwagen der Bauart ET59 von Leipzig übernommen wurde. Im Jahr 2000 entstand dann der Beiwagen 509, der regelmäßig als Museumswagen auf dem Magdeburger Streckennetz im Einsatz ist:



Die Gotha-Beiwagen als umgebaute Einrichtungswagen. Gut zu erkennen an der unteren Kontur (hier waren vorher die Türen).


 Quelle: Magdeburger Volksstimme

Auf der MVB-Homepage gibt es noch diesen LINK.

Daten vom Modell

Wagennummer

BW 500 und 505

Ausführungsvariante

Ca. 1960 bis 1965 (Zweirichtungswagen)

Baujahr

2017/18

Maßstab

1 : 43

Spurbreite

32 mm

Bauweise

Mischbauweise - teilweise unter Verwendung vorgefertigter Teile, Unikat, nach Zeichnung gebaut

Material

Kupferguss (Wagenkasten), Messingblech, -profile, -gussteile und -drehteile, Resinguss- u. 3D-gedruckte Teile

Betriebsart

Digital (Funktions-Decoder von ESU)

Bemerkungen

Innen- und Außenlicht (Funktionen einzeln schaltbar), mit kompletter Inneneinrichtung



Bilder vom Modell



Vom oben gezeigten Wagenkasten (Zweirichtungswagenkasten) sind zwei Stück beschafft wurden (ohne Wagenboden und Fahrgestellrahmen). Auf Basis dieser beiden Wagenkästen entstehen zwei Wagen der Serie 500 bis 505 in Normalspur mit neuem Wagenboden und neuen Fahrgestellen. Bei den Wagenkästen sind eine professionelle Deckeninnenverkleidung, die Sitze und noch andere Einbauten mit dabei. Sehr schön!


 

Baubeschreibung für die Magdeburger Beiwagen

Bis auf die Wagenkästen aus ukrainischer Handarbeit werden diverse Teile selbst hergestellt und ergänzt. Es sollen zwei fahrfähige Modelle (BW 500 und BW 505) als Zweirichtungswagen im Maßstab 1:43 entstehen.

Das wichtigste Teil für einen Fahrbetrieb ist selbstredend das Laufgestell.

Das Laufgestell eines ehemaligen Gotha-Beiwagens:


Einige Vorüberlegungen:

Aus heutiger Sicht kommen grundsätzlich nur zwei Bauweisen in Frage.

Die erste Variante stellt eine Kombination aus geätzten Blechen und Druckteilen dar. Mit Hilfe der Messingbleche wird eine stabile (tragende) Konstruktion ermöglicht. Für die feinen Laufgestellblenden werden gut detaillierte Druckteile verwendet. Sie haben keine tragende Funktion. Die Verwendung der gegossenen Wagenkästen aus ukrainischer Produktion sollte ohne Probleme funktionieren.

Die zweite (einfachere) Variante verwendet gänzlich gedruckte Teile. Allerdings muss getestet werden, ob die gegossenen (relativ schweren) Wagenkästen aus der Ukraine nicht zu schwer sind. Ist das der Fall, bleibt die Variante 1 als Favorit oder es müssen leichtere Wagekästen hergestellt werden.

Beide Varianten verwenden die gleichen gedruckten Laufgestellblenden. Das wurde beim Zeichnen der Mittelteile für beide Varianten berücksichtigt.
 

Die Laufgestellblenden für Variante 1 und 2

Im obigen Bild sind diverse Versteifungsstege zu erkennen. Diese Stege einlöten, das macht absolut keine Freude. Als 3D-Druckteil lässt sich dieses Teil aber relativ einfach herstellen.

Das Teil lässt sich auf Grund der geringen Stegdicken nur mit dem Material "Frosted Ultra Detail" drucken.

Optional können die Bohrungen der Radlager mit Lagderbuchsen versehen werden.





Die fertigen Teile:





Ein kleiner Vorgriff: Montage der Laufgestellblenden auf ein gedrucktes Mittelteil:



Bild unten: die Stege im Bogensegment sind echt gut gewurden. Das in Messingbauweise zu realisieren, ist nahezu unmöglich oder mit einem großen Zeitaufwand verbunden.



 

Laufgestellmittelteil für Variante 1

Das Laufgestellmittelteil wird aus geätzten Messingteilen hergestellt. Die 17er-Radsätze habe ich vor einigen Jahren noch bei AMZ-Munz gekauft.

Im nächsten Schritt müssen alle erforderlichen Bauteile gezeichnet und in einer Zeichnung komplett angeordnet (verschachtelt) werden. Für die Anfertigung einer Messing-Ätzplatte sind 2 Filme (Vorder- und Rückseite) erforderlich. Deshalb muss immer noch eine 2. (gespiegelte) Zeichnung erstellt werden. Die Lücken fülle ich mit Kleinteilen auf, die ich für andere Projekte immer gut gebrauchen kann. Also nicht wundern, wenn immer wieder andere Teile in den Zeichnungen auftauchen.
 
Nähere Informationen zum Thema "Ätzen" findet man z. B. bei:

https://www.saemann-aetztechnik.de/ oder

https://www.aehc.de/Modellbau (inkl. einer PDF-Datei mit zahlreichen Hilfestellungen)

Die ersten Ätzteile passend zu den seitlichen Blenden sind gezeichnet:



... für Messingblech 0,5 mm. Die Seitenteile werden gedoppelt, so dass eine Gesamtdicke von 1 mm entsteht. Das sollte reichlich Stabilität bringen.

Die fertige Zeichnung der Rückseite mit den Verbindungsstegen:



Der oben dargestellte Zeichensatz beinhaltet Teile für 2 Beiwagen-Laufgestelle.

Die fertige Ätzplatte:



(Fortsetzung folgt)

Laufgestellmittelteil für Variante 2


Das Mittelteil für die Variante 2 hat verschiedene Entwicklungsstufen erfahren.

Ein erstes Zwischenergebnis zeigt die Zeichnung unten.



Ein offener Punkt war die Befestigung der seitlichen Laufgestellblenden. Dabei wäre eine lösbare Verbindung ideal.

Zwei verschiedene Zeichnungselemente wurden ergänzt. Für die richtige Positionierung wurden jeweils vier kleine flache Zylinder an den Laufgestellblenden eingezeichnet und das Laufgestellmittelteil mit den entspr. Gegenstücken (Aussparungen) versehen.

Um die Blenden am Mittelteil befestigen zu können, wurden noch keilformige Teile an den Blenden und inkl. der Gegenstücke am Mittelteil (Aussparungen) angebracht. Im Bild unten z. B. an den oberen Kanten der Bögen gut zu erkennen.



Bei dieser neuesten Variante (Bild unten) wird der Druckzylinder aus dem Bauteil herausgetrennt, um 90 Grad gedreht und von unten angeklebt (wie beim Vorbild):



Das fertige Teil:



Die Auskerbungen in der Mitte an den Längsseiten haben sich als etwas zu instabil herausgestellt. Hier erfolgte eine Änderung der CAD-Zeichnung (siehe weiter unten).

Die seitlichen Laufgestellblenden probehalber am Mittelteil aufgesteckt. Passt super!





 Probeeinbau der Radsätze:







Der Rahmen (Mittelteil) muss noch einmal ein wenig angepasst werden. Das ist kein großer Aufwand. Es fehlen noch die beiden Teile für die Befestigung der Stromabnahmedrähte.





Umbau des Wagenbodens auf Normalspur 32 mm

Auch für den Gotha-Beiwagen gibt es eine neue Bodenplatte als Umbausatz.

Eine modifizierte Variante als Umbauteil ohne Riffelung des Fußbodens. Die Sitzunterteile sind materialsparend hohl ausgeführt.



Probehalber wurde schon einmal für den Beiwagen ein neuer Boden bei shapeways gedruckt. Ja und dann merkt man erst einmal, dass das Gussteil des Wagenkastens nicht 1. Wahl ist. Hier muss leider nachgebessert werden. Für den Eigenbedarf kann man das Teil anpassen und überstehendes Material an den vorderen "Ecken" abschleifen ....

Da das Magdeburger Laufgestell kürzer ist, mussten neue Befestigungselemente eingezeichnet werden. Die Hohlzylinder für die Aufnahme der 4 Spiralfedern wurden entfernt.



Nach dem die Zeichnung geändert wurde, ist jetzt alles passig. Ein Testdruck hat dies positiv bestätigt.





Der modifizierte Wagenboden in den Magdeburger Zweirichtungs-Beiwagen eingesetzt. Der Wagenboden musste lediglich vorn und hinten um ca. 0,5 mm gekürzt werden.



Die beiden inneren Bohrungen sind für die Befestigung des Laufgestells vorgesehen.





(Sorry, dass ich hier teilweise den Text vom Gotha-Beiwagen verwendet habe, aber so ist auch diese Baubeschreibung später einmal vollständig. Es sind nun mal fast die gleichen Bauteile).

Die neue Ersatzbodenplatte ist aus schwarzem Kunststoff gedruckt. Das hat den Vorteil, dass sie unten so bleiben kann wie sie ist. Oben wird sie umlackiert.



Da die Farbgebung des Bodens der beiden gekauften Triebwagen ein wenig anders aussieht, mussten die jetzt auch noch einmal umlackiert werden, damit alles einheitlich ist. Bei den Beiwagen wurden die Trittstufeneinfassungen silber lackiert. Bei den Triebwagen wurde eine silberfarbene Folie verwendet, weil die Rillen im Boden eine saubere Lackierung nicht zugelassen hätten.

Damit das Laufgestell nicht zu weit nach unten übersteht, wurden im Bereich des Wagenbodens, wo die Fahrgestellblenden eingesetzt werden, noch Material abgetragen. Die CAD-Zeichnung wurde deshalb erneut angepasst (schon die 3. Variante).

Bevor die Dachinnenverkleidung eingesetzt werden kann, sind noch einige vorbereitende Arbeiten zu erledigen. Einmal soll ja das obere Linienschild auch von innen beleuchtet werden. Hier sind vorn und hinten Durchbüche notwendig. Dann werden 4 Löcher mit 3,1 mm vorgebohrt und danach eckig mit einer Vierkantfeile nachbearbeitet. Hier werden später vier SMD eingeklebt, verspachtelt und glatt geschliffen. Die Verdrahtung erfolgt zeitgleich mit Kupferdraht (0,15 mm). Die Drähte werden im Bereich der Trennwände (1. Sitz) vom Dach nach unten geführt.
Dann werden noch die mitgelieferten Handläufe eingeklebt (1 mm Bohrungen). Nachteilig wirkt sich aus, dass das Teil schon lackiert ist. Die Farbe platzt bei der kleinsten Beanspruchung sofort ab.

Das obere Leuchtenband wird später mit gedruckten halbtransparenten Teilen verkleidet.



Die 4 SMD's sind schon mal eingeklemmt (muss man nciht einmal einkleben, sie halten auch so sehr gut). Sie werden ohne Vorwiederstand an den Funktionsdecoder angeschlossen.



Zeitgleich werden die 8 Trennwände für die beiden Beiwagen vorbereitet. Leider wurden die Sitzflächen nicht mitgeliefert. Hier werden die Teile - Sitz und Lehne - aus 1 mm dicken Holzleisten zugeschnitten und mit einer Feile "entgratet".



Nach der Grundierung der Teile folgt der Zusammenbau und die Lackierung. Wie beim ATW 702 wurden die Teile hinten und unten ausgefräst, um Drähte darin verschwinden zu lassen. Beim Teil oben rechts sind die Ausfräsungen zu erkennen.

Wie bereits schon weiter oben erwähnt, sollen die stirnseitigen oberen Linienschilder auch beleuchtet werden. Auch hier muss der Wagenkasten durchbohrt und mit einer Vierkantfeile nachgearbeitet werden. Leider kommt es zu kleineren Lackabplatzungen, die hinterher ausgebessert werden müssen.



Nach dem Ausbessern der Kanten kann schon ein Linienschild eingesetzt werden, bevor dann die Dachinnenverkleidung fertig vormontiert eingesetzt wird. kann man festkleben, muss man aber nicht.

(hier geht es bald weiter)

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Hier ein wenig Lesestoff (Info 04 / 2007 der Magdeburger Straßenbahnfreunde)

Chemnitzer Projekt BW 926 (unbedingt anschauen!) Über die Fotos bin ich sehr, sehr dankbar. Maße des Laufgestells wären der Superhit gewesen. Aber der Wagen ist ja schon längst im Chemnitzer Museumsbetrieb unterwegs.

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Bis heute waren schon 41436 Besucher hier!