Spurnullbahner

Gotha T59 Berlin

Vorbild

Baujahr: 1959

Hersteller VEB Waggonbau Gotha

Wagennummern: 3901 - 3910

Typ: TF 59

(Wofür "TF" steht, konnte ich trotz intensiver Recherche (noch) nicht herausfinden.)

Passend zu den Triebwagen gab es noch 20 Beiwagen mit den Wagennummern 1801 - 1820.


Fahrzeugübersicht

Übrigens bietet diese Homepage von Marcel Götze eine wirklich unglaubliche Übersicht über die Berliner Straßenbahn einschließlich guter Technikbeiträge.

Die Wagen wurden 1970/71 alle (außer TW 3901) nach Leipzig bzw. Potsdam abgegeben und da sicher irgendwann ausgemustert und verschrottet.

Die Wagenbeschilderung am Modell mit Linie 49 (Buchholz - Hackescher Markt) passt leider nicht zu den Fotos in der Fahrzeugübersicht. Dort sind die Linien 3 und 46 aufgeführt. Das muss aber nichts heißen.


Modell

In meiner "Schatzkiste" lag noch ein Berliner T59. Keine Ahnung, warum ich den mal gekauft habe. Die Beschilderung des Wagens und die seitlich angebrachten Stadtwappen passen zu Ostberlin, aber bei der Farbgebung bin ich mir nicht sicher. Nun soll er auf Normalspur umgerüstet und motorisiert werden (zunächst für 2-Leiterbetrieb - analog).



Dazu werden zwei Varianten getestet. Eine preiswertere Variante unter Nutzung von 3D-Druckteilen und eine teurere Variante aus Ätzteilen und Druckteilen. Final wird natürlich nur eine Variante eingebaut.

Vom mitgelieferten Wagenboden (Kaufteil) werden sämtliche aufgeklebten bzw. eingesetzten Teile vorsichtig entfernt. Dass da mal was zu Bruch geht, lässt sich nicht vermeiden (Fahrerstand = mehrere Einzelteile). Die Teile werden wiederverwendet und später auf den neuen Wagenboden für Normalspur wieder aufgeklebt.



Bild unten: gut zu erkennen sind die Hohlräume der Radkästen und mittig ist ein Hohlraum für den optionalen Einbau eines Decoders.




Variante 1

Diese Bauvariante basiert auf ein Kunststoff-Fahrgestell, wobei das Mittelteil aus stabilem Nylon besteht. Die seitlichen Fahrgestellblenden wurden mit 3 mm Lagerbuchsen bestückt. Diese mussten vorher auf 4 mm gekürzt werden (Kaufteil von Bastel-Dehs).

Die Zeichnung mit den 3 wichtigsten Bauteilen:



Bei dieser Variante können die Radsätze problemlos eingesetzt werden. Nach dem Platzieren der Radsätze werden die beiden Fahrgestellblenden eingesetzt und von unten jeweils mit vier M1,2-Schrauben befestigt. Ein Nachteil könnte das etwas spröde Material sein (Fine Detail Plastic).



Nach dem Aufsetzen des Wagenbodens sind die Motore in der richtigen Position fixiert.







Es müssen nur noch die beiden Schienenbremsen befestigt werden.

Wird ein Decoder eingebaut, so gibt es zwei Alternativen. Entweder wird der Decoder in den Wagenboden (hierfür gibt es eine spezielle Aussparung unterhalb des Wagenbodens) oder mittig im Fahrgestell eingebaut.

Für die Verdrahtung der Gothawagen haben sich speziell zugeschnittene Leiterplatten (Streifenplatine) bewährt. Auf der Seite mit den 2er-Sitzen werden Platinen mit 3 Streifen und auf der Seite mit den 4er-Sitzen werden Platinen mit 5 Streifen aufgeklebt ... egal wieviele dann letztendlich genutzt werden. So bleibt man flexibel.



In den mittleren Hohlraum passt dann ein Lenz-Decoder der bauart Silver wunderbar rein.

Auf den Platinen werden dann auch die beiden Stromabnehmer (0,5 mm Messingdraht) aufgelötet.


Variante 2


Die stabile Variante besteht aus einem Fahrgestell, welches aus geätzten Messingblechteilen (Dicke 0,5 mm) hergestellt wird. Für die Lagerung der Radsätze werden massive (quasi unverwüstliche) Messinggussteile verwendet.

Die Ätzteile sind auch unter Gotha T57 + T59 abgebildet. Hierbei handelt es sich um eine weiter optimierte Variante.

Bild unten: fertig geätzte Messingblechplatte für 3 Wagen



Beim Zusammenbau merkt man, dass man mit dem Ergebnis zufrieden sein kann, auch wenn bestimmte Details noch optimiert werden können, um den Lötaufwand zu reduzieren.



Der etwas unkonventionelle Einbau der Motore unterhalb des Wagenbodens ist gar nicht so schlecht. Dadurch benötigt man nicht zwingend das Mittelteil für das Fahrgestell zur Aufnahme der Motore. Zur Stabilisierung wurden einfach zwei L-Profile auf die untere Fahrgestellplatte aufgelötet.



Im Moment fehlen noch die beiden seitlichen Fahrgestellblenden. Die liegen schon bereit, müssen nur noch lackiert werden. Aber ein Probeeinbau hat gezeigt, dass alles gut passt ... auch die Bauhöhe. Vier Spiralfedern in den runden Bauteilen an den Ecken halten das Fahrgestell gut in der Horizontalen.

Die beiden Rad-Stromabnehmer (0,5 mm Messingdraht) werden auf die Lötplatten aufgelötet und später mit den Motoren verdrahtet. Diese Bauweise hat den Vorteil, dass das Fahrgestell ohne Probleme (Lösen von Kabelverbindungen entfällt) abgenommen werden kann.

Die Radscheiben wurden außen um 0,4 mm abgedreht, damit die Radsätze ohne Probleme in den Fahrgestellrahmen passen. Es ist halt nicht viel Platz für alle Bauteile. Die Räder haben einen Laufkranzdurchmesser von 17,3 mm. Für die Zahnräder bzw. für die Zahnradschnecken wurde Modul 0,4 verwendet.



Jetzt könnte schon die Farbgebung und der Einbau der Fahrerstände inkl. Kabinentrennwand und der Sitze folgen.

Normalerweise verwende ich für die Bodenplatte gedruckte Teile aus schwarzem Kunststoff. Hier hatte ich mal einen anderen Hersteller getestet ... ist also eher eine Ausnahme.

Aus Spaß habe ich für diesen Umbau mir mal die Stunden für die Bauzeit aufgeschrieben und dann auch die Kaufteile und anteiligen "Entwicklungskosten" ergänzt. Das Ergebnis ist krass. Und das Schlimme ist, dass man den Aufwand nicht auf den ersten Blick sieht, aber es sind Tatsachen. Das wird keiner bezahlen. Es sind und bleiben nun mal in Handarbeit gefertigte Einzelstücke.

Tabelle unten: Positionen, die man bei einer Kalkulation bzw. Preisfindung berücksichtigen müsste (kann sein, dass da noch was fehlt):



Der Wagenkasten sollte je nach Bedarf beschafft werden. So kann man z. B. auf den Stromabnehmer verzichten, wenn ein Eigenbau verwendet werden soll. Auch die Bodenplatte wird nicht benötigt, weil sie nicht auf Normalspur ausgelegt ist. Außerdem soll ja das Modell motorisiert werden. Das Fahrgestell des Standmodells kann auch entfallen. dafür gäbe es keine Verwendung usw.

Die Montagearbeiten beinhalten u. a. das Heraustrennen der Bauteile aus der Ätzplatte, das Entgraten der Teile (Verbindungsstege) und die Lötarbeiten inkl. Nacharbeiten.

Es geht weiter ...

Radschleifer und Motore sind verdrahtet. Testfahrt bestanden. Ein kleiner Film folgt nach kompletter Fertigstellung.

Die Fahrgestellblenden sind mit Acryl-Grundierung von Humbrol vorlackiert und können nun am Fahrgestell befestigt werden. Danach folgt die Lackierung des Fahrgestells in einem Ritt (vorher die Radsätze fein abkleben, weil die sind ja schon eingebaut).

Der Triebwagen hat doch noch einen Decoder bekommen.

Die Lackierung der Fahrgestells und der Bodenplatte ist auch schon erledigt. Der Stromabnehmer wurde auf dem Dach mit einer M2-Schraube befestigt.






Fertig.

Für die Ätzteil-Variante wurde ein neuer Motorblock entwickelt. Dieser verfügt jetzt über integrierte Klemmbacken für die Aufnahme der Motore. Das spart unheimlich viel Zeit. Könnte mir vorstellen, dass diese Variante für zukünftige Modelle angewendet wird.





Der Motoraufnahmeblock wird mit Hilfe von 4 Schrauben am Fahrgestellboden befestigt.



Stand: August 2019
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