Spurnullbahner

Lore 767 und 768 (Typ Leipzig 5542)

Neulich bin ich doch über eine Lore gestolpert, die relativ einfach nachzubauen geht ... zumal ich ja schon die Laufgestellblenden vom Gotha-Triebwagen habe. Diese müssen nur gekürzt und ein wenig angepasst werden. Es handelt sich um eine Lore der Leipziger Straßenbahn, die früher in Berlin im Einsatz war.




Quelle: R. Güttner mit freundlicher Genehmigung (siehe auch www.l-nv.de). DANKE!

Im Straßenbahnarchiv 7 vom Transpress-Verlag  (Arbeits- und Güterwagenfahrzeuge) 1. Auflgae von 1989 ist auf der Seite 208 eine Lore mit einem anderen Fahrwerk abgebildet. In der Bilderklärung heißt es dazu: "Leipzig - Lore mit Bremserstand zum Transport von Fahrmotoren, Achsen usw. Die Loren Nr. 5541 - 5550, gebaut 1946/48 auf ex U-Bahn-Drehgestellen, wurden 1957 von Berlin übernommen und 1975 umgebaut (Typ 56); aufgenommen im umgebauten Zustand von 1975."

1. Wagenkasten


2. Das Laufgestell



Das Mittelteil ist einerseits das Laufgestell zur Aufnahme der beiden Radsätze (Durchmesser 17,0 bis 17,6 mm), dient aber auch zur Aufnahme der seitlichen Laufgestellblenden und zur Befestigung des Wagenkastens.  Das Bauteil beinhaltet auch zwei Adapter zur Kupplungsaufnahme (Normschacht).

Die Kupplungsadapter können an zwei Stellen befestigt werden. Die vordere (außen vorn) Befestigung ist für die Standardhöhe ausgelegt. Alternativ kann noch das 2. Loch verwendet werden. Das 3. Loch ist für die Befestigung des Wagenkastens gedacht.

Die Laufgestellblenden werden mit Hilfe von 8 kleinen Schrauben befestigt nach dem die Radsätze eingesetzt wurden sind.

3. Laufgestellblenden



Die Radlager sind soweit vorbereitet, dass nur noch 3 mm Lagerbuchsen eingesetzt werden müssen (für Radachsen mit 2 mm Durchmesser außen am Stummel).

4. Gesamtansicht (neueste Version)



Auch wenn es das nicht passend zum Wagen 5542 gab, habe ich noch zwei Varianten (geschlossen und einseitig offen)  für eine Plane entworfen.



Damit die Plane nicht platt wie eine Scholle aussieht, habe ich auf jeder Seite die fünf Planenabschnitte ein wenig durchhängen lassen.




Ein erster Testdruck ist fertig:



Da die grüne Farbe doch zu hell ist, muss hier leider nachgearbeitet werden. Auch die Plane ist recht gut gelungen. Sitzt gut auf dem Wagenkasten.

Auch das Laufgestell-Mittelteil und die Fahrgestellblenden sind gedruckt und liegen für die Montage bereit.



Bevor das Laufgestell zusammengebaut wird, werden zuerst die Radlagerbuchsen eingebaut. Dazu mit einem 3 mm - Bohrer mit der Hand (keine Maschine benutzen) die 4 Löcher vorsichtig nachbohren, weil vom Druck manchmal Rest in den Öffnungen verbleiben. Die Lagerbuchsen von Bastel-Dehs sind 6,5 mm lang (Artikel 120103). Diese müssen um 2,5 mm hinten gekürzt und entgratet werden. Ein Einkleben ist meiner Meinung nach nicht notwendig. Einfach vorsichtig einpressen und sitzt ohne Luft.

Aber es ist Vorsicht geboten, damit auf der Vorderseite nichts abbricht!

Tipp: der Einbau macht sich im zusammengesetzten Zustand der beiden Laufgestellblenden am besten.



Die Lagerbuchsen sind für 2 mm - Achsstummel ideal. Tipp: vorher mal am Radsatz den Stummel messen und bei Bedarf Buchse oder Achse anpassen.



Das Kürzen der Lagerbuchse ist gar nicht so einfach, weil das Einspannen Fragen aufwirft. Ich habe nach kurzem Überlegen doch rein zufällig einen speziellen Schraubendreher gefunden, der super passt. Das hat gut funktioniert. Egal, wenn der am Ende nach 50 oder 100 Vorgängen hinüber ist.
Mit Dremel und Trennscheibe werden die Lagerbuchsen grob gekürzt und anschließend mit dem Proxxon-Schleifgerät zunächst von außen nachbearbeitet (Artikel-Nr. 28030). Eine Phase erleichtert das Einsetzen der Buchse in das Loch der Laufgestellblende. Von innen sollte mit einer kleinen Rundfeile der Grat noch entfernt werden. Dann ist alles hübsch.



Lagerbuchsen eingesetzt:



Im nächsten Schritt werden die Bohrungen am Laufgestellmittelteil nachgebohrt. Das ist leider fast immer notwendig, aber aus meiner Sicht kein großer Aufwand. Die Laufgestellblenden werden ebenfalls an den Befestigungsstegen nachgebohrt und mit M 1,2 Gewinde versehen.



Leider fehlen mir die passenden M 1,2-Schrauben für den finalen Zusammenbau. Mittlerweile sieht das Mittelteil auch schon wieder teilweise anders aus ... es ist eben alles im Fluss. Der vordere Bereich wurde geändert. Aber warum die erste Testvariante entsorgen?

Hier die letzte Zeichnungsvariante:



Die Zeichnung besteht aus dem Hauptteil und zwei Kupplungsadaptern (mittig angeordnet, sind schwer zu erkennen). Die Kupplungsadapter können Kupplungen für Normschacht aufnehmen.

Testweise eine "Hochzeit" ... Wagenkasten auf Laufgestell






Bilder oben: die Räder wurden auf 4,0 mm an der Außenseite abgedreht. Hier gut an den blanken Ringen gut zu erkennen.





Der Abstand zwischen Wagenkasten und Laufgestell (an den beiden Befestigungspunkten) wurde mit zwei kleinen Druckfedern geschlossen. Bin noch am Überlegen, ob diese ungewollte Variante doch eigentlich ganz gut ist.

Die Laufgestellblenden halten sogar auch ohne Schraubbefestigung schon sehr gut. Wird aber auf jeden Fall befestigt.

Als nächstes müssen die Kupplungen montiert werden. Hier wurde einfach von einer KK-Kulisse von Roco (Artikel 40344) die Deichsel ausgebaut, gekürzt und mit einer Bohrung inkl. Gewinde versehen. Aber es geht auch einfacher. Es gibt zahlreiche Bauteile: HIER. Der Artikel 274670 von Märklin würde sich auch gut eignen.



Nächster Punkt: Schienenbremse? Nein. Es gibt ja ein Handrad für eine mechanische Feststellbremse. In der 2. Version ist die Aufnahmevorrichtung dafür bereits mit vorgesehen. Hier fehlt das Teil leider noch. Da finde ich bestimmt noch was in der Kleinteilekiste.



Bis auf das schwarze Mittelteil sind die Teile jetzt grundiert und müssen trocknen ....

Und da noch zwei Trittstufen und ein Handbremsrad benötigt werden, wurde die Zeichnung für die Laufgestellblenden um weitere filigrane Teile ergänzt. Die zusätzlichen Teile sind mittig unterhalb der Laufgestellblenden angeordnet (nur teilweise sichtbar).

Die vorher vorhandene Befestigung für die Schienenbremse wurde entfernt. Der äußere umlaufende "Blechstreifen" wurde von 1,2 mm auf 1,0 mm reduziert.



Inzwischen ist der Wagenkasten grün lackiert und trocknet so vor sich hin.

In den nächsten Tagen können noch einige Details herausgearbeitet werden ... vielleicht bekommt die Lore auch noch eine Wagennummer. Die Fertigstellung könnte noch vor der Intermodellbau in Dortmund klappen.



Aus Lore 5542 wird die Lore 768 (eine fiktive Nr. für die Magdeburger Variante).



Ein Finish folgt noch. Es werden noch die beiden Leitern und das Handrad ergänzt.



Die beiden Tritte oder Leitern wurden aus Messingblechstreifen 0,5 x 1,0 mm zusammengelötet. Die Lackierung erfolgt später zusammen mit den Bauteilen für die Handbremseinrichtung.





Demnächst entsteht noch eine Schrottladung für die Lore (auch mit straßenbahntypischen Teilen). Mein Tipp: niemals irgendwelche Restteile entsorgen, sondern sammeln! Irgendwann findet sich eine gute Verwendung. 

Die ersten Teile sind auf einer dünnen Hartfaserplatte befestigt und anschließend nach dem Aushärten des Klebers grundiert. Für die Magdeburger Lore wird auch gleich eine zweite Schrottladung vorbereitet (siehe weiter unten). Die Teile werden noch mit verschiedenen Alterungsfarben insbesondere mit "Rost" nachbehandelt.





Einige Teile wurden erst nach dem Grundieren aufgeklebt. Damit sie später noch teilweise erkennbar sind, werden sie per Hand eingefärbt.

Fertig!





OK ... ein wenig überladen ... da sollte vielleicht sicherheitshalber noch ein Netz drüber, damit unterwegs nichts verloren geht.

Fazit: die gewählte Bauweise (3D-Druckteile) ermöglicht eine relativ schnelle Entstehung eines Modells, welches auch in kleinen Stückzahlen effektiv gebaut werden kann. Ein Modell aus geätzten Teilen ist natürlich im Detailgrad in Teilen besser. Aber alleine die Fahrgestellblenden sind in der bisherigen Messing-Ätzteilbauweise sehr aufwendig und zeitintensiv. Beides ist gut möglich. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile und jeder muss für sich entscheiden, was ihm wichtiger ist oder auch nicht. Kunststoff oder Messing!?

Update v. 07.09.2020

Lore 767

Da noch Teile vom Bau der ersten Lore übrig waren, entsteht nun noch eine zweite Lore gleichen Bautyps mit der fiktiven Wagennummer 767.

Aktuell befindet sich der Wagenkasten in der Lackierung.



Bis auf die Wagennummer ist die Lore 767 fertig.



In Wirklichkeit ist die grüne Farbe dunkler (Blitzlicht).

Der Bau ging recht zügig. Es wurden ja auch nur rund drei Dutzend Teile (inkl. 12 Schrauben und 4 Gewichten) verbaut. Die Halteprofile für die Schienenbremsen werden noch beseitigt.

Dann bekommen beide Loren noch vorn und hinten jeweils einen Gleisräumer und die dreieckigen "Katzenaugen" (Reflektoren), wie sie auch für Anhänger im Straßenverkehr verwendet werden.

Die Wagennummer ist an den Seiten sowie vorn und hinten angebracht.



Die Wagenladung besteht aus vier Radsätzen, die auf einem speziellen "Holzgestell" (3D-Druckteil) rutschfest gelagert werden.