Spurnullbahner

Turmlore 761 mit Lore 769

Die Recherche zu diesem Wagen ist schwierig. Wenn man bei Startpage oder G ... den Begriff "Turmlore 761" eingibt, kommen nur ganz wenige Einträge. Auch bei der Bildersuche sieht es nicht besser aus.

Bild unten: die Turmlore 761 mit einem umgebauten Laufgestell vom Beiwagen 261 (ex TW 6 der Teil-Serie 1 bis 13 aus dem Jahre 1898, im Magdeburger Stadtteil Herrenkrug aufgenommen). Baujahr 1952.



Ein weiteres Foto findet sich auch im Buch von Klaus Günther - Magdeburger Straßenbahnen - auf der Seite 142.

Und auch im Straßenbahnarchiv Nr. 7 - Arbeits- und Güterstraßenbahn-Fahrzeuge vom Transpress-Verlag auf der Seite 130. Der Bildtext lautet: Magdeburg - Turmwagen Nr. 761; 1952 aufgebaut; 1960 ex Abw Nr. 561; aufgenommen am ... Olvenstedter Platz. Aber viel erkennen kann man auf dem "alten" Schwarz-Weiß-Foto nicht. Zumindest ist auf diesem Foto das aufgerichtete Geländer der Arbeitsbühne gut zu sehen.

An anderer Quelle fand ich diesen historischen Werdegang der Lore: "Turmlore, 1960 ex 561, 1948 - 1952 Schotterlore, 1948 ex Fahrgestell Bw 261 III, 1928 ex Bw 347 II, 1927 ex Tw 6 (Falkenried 1898)
Fahrgestell 1999 zu Htw 38, erhielt dafür Fg. von Abw 759 II".
Quelle: www.pauke.thecosyhut.de/HPDitmar/listactu.htm.

Im aktuellen Fahrzeugbestand befindet sich immer noch die Turmlore Nr. 761, allerdings hat sie zwischenzeitlich ein neueres Laufgestell erhalten. Auch wurde die elektr. Ausstattung dem neuen Stand der Technik angepasst.

Ein Fahrzeug, welches unbedingt als Modell gebaut werden sollte. Was ist das besondere an diesem Wagen? Der Turm besteht im Prinzip aus zwei Teilen. Das innere Bauteil lässt sich nach oben ausfahren. Darauf ist eine schwenkbare Arbeitsbühne befestigt. Die Arbeitsbühne verfügt über mehrere Rohrstummel für das Einstecken der Geländerteile (Arbeitsschutz!). Dann gibt es noch eine Leiter. Auf Grund der unterschiedlichen Arbeitshöhen muss die Leiter mit in die Höhe "wachsen". Deshalb besteht sie aus zwei Teilen. Ein Teil ist quasi flexibel verschiebbar. Dann gibt es noch eine Werkzeugkiste und eine manuelle Feststellbremse oder Handbremse in der letzten Bauversion. Als Kupplungen wurden vor dem Umbau die üblichen Albert-Kupplungen verwendet. Später die Scharfenberg-Kupplungen.
Die Aufbauten wurden auf eine einfache Bretter-/Balken-Konstruktion aufgesetzt und befestigt. Umlaufend (nein nur 3 Seiten) gibt es eine relativ flache Bordwand aus Brettern. Das alles wurde dann mit U-Profilen am Laufgestell befestigt. Gab es eine Wagenfederung? Ich denke nein.

Witzig ist, dass selbst die rot-weiße Warnbalkenmarkierung immer wieder mal geändert wurde. Der schwunghafte Handlauf ist leider bei der neuesten Aufarbeitung verschüttgegangen. Dafür hat die neue Lore eine zusätzliche Bremserbühne inkl. Aufstiegsstufen auf beiden Seiten bekommen. Das ist doch auch eine ganz nette Komfortausstattung.



Der innere Turm wurde mit Hilfe eines Zahnradgetriebes und einer Kurbel per Hand aus- und eingefahren.

Hierzu wurde ein Seilmechanismus eingebaut:





Bild oben: Das Laufgestell entstand aus einem Laufgestell von einem Gothaer
Beiwagen (in der Länge gekürzt). Ob der Achsabstand bei 1800 mm geblieben ist, weiß ich noch nicht. Könnte gut möglich sein.



Bild oben: Rechts im Hintergrund ist der Beiwagen 300 in der "falschen" Zwischenlackierung.



Für den ersten Turmwagen im Maßstab 1:45 wird ein Laufgestell aus der TW-Serie 1 bis 100 verwendet. Die etwas geänderte Zeichnung sieht so aus und ist bei Herrn Moog beauftragt.



Aus der Erstzeichnung (Bild oben) entstehen dann zwei inverse Zeichnungen von der Vorder- und Rückseite. Die Rückseite hat wie immer die Verbindungstege inklusive. Es wird Messingblech in der Dicke von 0,5 mm verwendet. Warum enthält sie Zeichnung nicht die anderen Bauteile?  Weil das Laufgestell auch noch für andere Wagen genutzt werden soll.

Für die Aufbauten muss ich wohl demnächst mal nach Magdeburg fahren, um die Maße abzunehmen. Ich denke, dass das in 2019 klappen wird.

Weiterhin muss wahrscheinlich die Länge der beiden Hauptteile gekürzt werden. Und auch weil es kaum Zeichnungen vom ursprünglichen Zustand gibt, muss hier und da improvisert werden.

Die Ätzplatten sind geliefert.





Jetzt kann der Bau des Laufgestells beginnen. Zunächst werden die Radsätze fertiggestellt. Hierzu werden die bekannten Rohlinge/Gussteile verwendet. Für die Turmlore werden Doppelspeichenräder mit einem Durchmesser von 17,0 mm verbaut.


Hier mal meine Bauschritte für die Herstellung der Radsätze (geht bestimmt auch anders):

1.     Radrohlinge (Neusilber-Gussteile) entgraten = Gießstutzen mit Schleifbock (Scheibe seitlich nutzen) entfernen

2.     Grat vom Rest des Gießstutzens vorsichtig mit Feile glätten (stört sonst in Stufen-Spannzange von fohrmann und führt zu Unwuchten beim Drehen)

3.     Einsatz der Unimat 3 von Emco: Radscheibe in Spannzange (Verwendung Artikel-Nr. 90843, individuell angepasst) einspannen (Dreibackenfutter nutzen) und mit Spitzendrehmeißel in Querbewegung des Oberschlittens den inneren Ring außen um 0,5  abdrehen (ist leider keine gute Idee gewesen, wäre innen sinnvoller gewesen)

4.    Als nächstes das mittige Durchgangsloch mit 3,1 mm Bohrer aufbohren

5.    Dreibackenfutter gegen Spannzange wechseln

6.    Spezialaufnahmedorn (Eigenfertigung) in Spannzange einspannen

7.    Radscheibe auf Aufnahmedorn aufschieben und befestigen

8.    Radlauffläche im Winkel von 3 ° von rechts nach links bis Beginn des Radkranzes auf Wunschdurchmesser abdrehen. Danach wird der Radkranz bis auf Wunschmaß nachgeschnitten (Spezial-Drehmeißel, bei Ebay gekauft)

9.    Radisolierbuchse von innen einpressen (fohrmann Artikel-Nr. 151120; Durchmesser 3,2 mm). Sie sind nur ganz geringfügig zu kurz, weil eigentlich für H0-Räder gedacht.

10. Radachse 2 x 3 x 46 in Radscheibe einpressen

11. Maße des Radsatzes mit Radsatzlehre nachmessen

Das fertige Rad (noch ohne Isolierbuchse):

Die fertigen Radsätze:



[Hat ein wenig gedauert, weil gleich noch die restlichen Rohlinge für andere Wagen (Radsatztausch) vorbereitet wurden.]

Dummerweise fehlt mir jetzt ein 5er Doppel-T-Profil. Und dann mussten ja auch noch die Seitenteile gekürzt werden.



Die Nietenbleche werden angebracht:



Das noch fehlende Material ist im GHW-Shop bestellt. In der Zwischenzeit wurde schon mal der Wagenboden vorbereitet und die Rechteckrohre für die Befestigung der drei Bretter der Bordwand angebracht (werden später oberhalb gekürzt).

Da unterhalb des Wagenbodens eine Stromversorgung für die beiden Rücklichter eingebaut wird (Bauweise analog PKW-Lore), muss der Wagenboden inkl. Aufbauten abnehmbar gestaltet werden. Er wird mit vier M1-Schrauben am Unterteil befestigt.



Morgen geht es mit der Bordwand weiter. Sie wird aus Echtholz hergestellt (1 mm dick) und bekommt jeweils 2 bzw. 3 U-Profile 1 x 1 mm, die unten flach gefeilt werden, so dass sie in die Rechteckprofile von oben eingeschoben werden können ... so der Plan.



Der Wagenboden bekommt noch eine 0,6 mm dicke Sperrholzplatte in die mit Hilfe einer Anreißnadel eine Bretterstruktur eingebracht wird. Zu empfehlen ist, dass die Fläche noch mit einer feinen Drahtbürste gebürstet und danach mit Sandpapier mit feiner Körnung bearbeitet wird.



Die fehlenden Teile sind angekommen und auch gleich verbaut:



Projekt pausiert! Leider fehlen jetzt die genauen Maße für den Wagenaufbau (Turm und Arbeitsbühne). Deshalb ruht dieses Projekt vorerst.

Dank der großen Unterstützung durch die Vereinsmitglieder der IGNah Magdeburg konnte ich nun doch noch die wichtigsten Maße vom Original abnehmen und eine Zeichnung für die Aufbauten der Turmlore erstellen.



Die Gitter für die Arbeitsbühne sind nicht enthalten, weil diese aus Messingdraht hergestellt werden. Die anderen (abgebildeten) Teile könnten als 3D-Druck hergestellt werden.

Zusammengesetzt sieht das so aus:



Der Turm soll höhenverstellbar sein. Dazu muss auch die Leiter zweiteilig ausgeführt werden. Die rechte (innere) Leiter ist oben am Turm und die linke (äußere) Leiter wird dann später am Wagenkasten befestigt.

Update: Aus Kostengründen wird ein 3D-Druck der Einzelteile verworfen (ca. 130 €; nur die Druckkosten!). Es wird also doch zunächst ein statischer Aufbau, bei dem alle Teile miteinander verbunden sind, werden. Eventuell mit drehbarer Arbeitsbühne. Das kostet ca. nur die Hälfte.

Die äußeren Maße betragen: L x B x H = 90,1 x 28,9 x 59,4 mm.

Mittlerweile sind noch die Antriebseinheit und die Seilrollen ergänzt. Sie sind vereinfacht dargestellt und haben keine echte Funktion. Dennoch können später die beiden Drahtseile im Modell nachgebildet werden.



Die beiden Stege zwischen Leiter und Werkzeugkasten werden später entfernt (nur wegen der besseren Stabilität beim Druck wurden sie mit eingezeichnet).



Bild oben: die mechanische Antriebseinheit

Der innere Turm wird mechanisch mit Hilfe der Antriebseinheit über Drahtseile und Umlenkrollen nach oben befördert. Die im Bild zu sehende vordere Welle geht auf beiden Seiten bis zur Bordwand. Dort befinden sich links und rechts Öffnungen, durch die eine Kurbel gesteckt werden kann.

Die STL-Zeichnung für den Druck ist an shapeways.com verschickt. Eine kleine Änderung war noch notwendig (die Diagonalverstrebungen am Turm und der Handlauf der Leiter mussten von 0,3 mm auf 0,6 mm angepasst werden). Jetzt ist wohl die Zeichnung in Ordnung und druckfähig. Lieferzeit ca. 2 bis 3 Wochen.

In der Zwischenzeit wird das Laufgestell fertiggestellt: Lackierung, Einbau der LED-Beleuchtung (Rücklichter) inkl. Vorwiderstand und der beiden 3V-Accus, Kupplungen und Radsätze inkl. Radlager.



Die Lagerung der Radachsen erfolgt nicht in den außen angebrachten Lagerkästen. Das sind nur Attrappen. Für die Lagerung wurde ein Messingblech verwendet, welches auf beiden Seiten um 90 Grad umgebogen wird. Dadurch entsteht ein ca. 2 mm breiter Zwischenraum. In diesen Zwischenraum wird eine Lagerbuchse gesteckt und angelötet. Radsatz und Lagerteil werden von unten in das Laufgestell eingeführt und mit zwei M 1,4 - Schrauben von oben befestigt.



Das fertig montierte Laufgestell für die Turmlore:





Es gibt gute Neuigkeiten. Die gedruckten Teile sind fertig und sind unterwegs.

Gestern sind neue Teile gekommen. Auch der Turm für die Turmlore.





Der Turmaufbau befindet sich gerade in der Lackiererei. Da die Lore nur auf einer Seite mit Licht ausgerüstet wird, benötigt man für die andere Seite (in Hauptfahrtrichtung vorn) Attrappen für die Rücklichter. Hierzu wurde eine größere Stückzahl im Block gedruckt und mit Lampenlack (Tauchlack) lackiert (nur die sichtbaren Teile).



Die Grundierung sollte einen Tag trocknen.





Was fehlt noch? Die Gitter für die Arbeitsbühne, der rot-weiße Warnanstrich und die Wagennummer.

Den Warnanstrich an der Arbeitsbühne anzubringen, ist recht einfach. An den schrägen Stützen wird das eine echte Herausforderung werden. Das Kaufteil hat hinsichtlich der Balkenanzahl super gepasst. Es musste nur die Höhe angepasst werden.







Das Schutzgitter der Arbeitsbühne besteht aus vier Einzelteilen (0,5 mm Messingdraht). Es kann sogar nach innen um knapp 90 Grad abgeklappt und wie beim Original (siehe Fote Anfang des Bauberichtes) mit einer Plane abgedeckt werden.



Fertig! Die Geländer befinden sich unter der Plane. Die Stangen für die Kurbel wurden noch schnell eingeklebt. Sie müssen nur noch lackiert werden. Zwei Kurbeln werde ich noch später ergänzen.





Ein Video mit der Turmlore ist weiter unten zu finden (unter Güterloren 764 und 765 / am Ende des Abschnitts).

Lore 769

Damit die Turmlore auch richtig eingesetzt werden kann, braucht sie noch eine Lore für den Transport der Kabeltrommel für den Fahrdraht. Deshalb entstand noch eine weitere Lore (bekommt die Wagennummer 769).

Da nach dem Umbau des TW 1 ein altes Fahrgestell übrig war, wurde es für diese Lore verwendet. Das kam ja in der Praxis immer mal wieder vor, wenn ältere Fahrzeuge ausgemustert wurden. Die Lore 769 ist ein fiktives Modell.

Der Wagenkasten, die Trittstufen und das Handbremsrad sind gedruckte Teile. Die Kupplung (Nachbildung einer Albertkupplung) besteht aus geätzten Messingblechteilen.

Die Lore verfügt über eine Rücklichtbeleuchtung auf der Bühnenseite (2 Knopfzellen mit Miniausschalter).



Die Kabeltrommel mit Bock gibt es z. B. hier recht günstig: Hier

Die Teile passen super, so dass die Kabeltrommel in wenigen Minuten zusammengebaut ist.