Spurnullbahner

Zeichnungen

Das Problem mit den Maßen

Bevor überhaupt nur das kleinste Modellbauteil entsteht, müssen in der Regel Maße beschafft werden. Um so mehr desto besser. Das ist eine grundlegende Vorarbeit, die mitunter viel Zeit beansprucht. Nur wer das schon einmal selbst bewerkstelligt hat, weiß wovon ich rede.

Im Netz und in der Fachliteratur findet man mitunter Zeichnungen, die leider oft nur minimale Maßangaben beinhalten oder sogar teilweise falsch oder im Detail ungenau sind. Und  das ist kein Einzelfall. So bin ich z. B. auf diese Seite reingefallen:  https://model-copy.info   (nicht zu empfehlen, das Geld kann man sich sparen). Es wird in den Zeichnungstexten etwas von "3D-Druck" geschrieben ... ist eine irreführende Information.

Weiterhin sind Zeichnungen im 2D-Format nicht für jedes Detail nutzbar. Man schaue sich nur einmal die Vorderfront von einem T4D an. Wie soll das in einer 2D-Zeichnung richtig abgebildet werden? Es geht einfach nicht.

Es gibt eine teure und eine zeitintensive Lösung. Die teure Variante ist ein 3D-Scan inkl. Datenaufbereitung. Die zeitintensive Variante ist selber messen und dokumentieren. Eine dritte, aber sehr, sehr  unwahrscheinliche Variante ist die, dass man jemanden kennt, der eine Werkszeichnung oder Blaupause hat.

Zur 2. Variante:

Eine gute Vorbereitung ist alles.

1. Was alles mitnehmen? Zuerst kommen die selbstverständlichen Dinge ….

- Fotoausrüstung

- Zollstock, langes Bandmaß, Laserlängenmeßgerät (z. B. von Bosch)

- Stifte, Block und Klemmbrett

- Winkelmesser (optimal, wenn er verstellbar ist)

- Alu-Klappleiter (ca. 1,5 m hoch, ca. 5 Sprossen, Achtung! Nicht zu hoch klettern! Stromschlaggefahr im Bereich des Fahrdrahtes!)

- 2m-Richtlatte (z. B. aus Alu)

- Radienmesser (Selbstbau)

Auf dem Bild unten ist so eine Standardausrüstung zu sehen (ohne Leiter und Richtlatte, weil ein wenig zu groß):



Um z. B. die Radien von Fenstern besser zu ermitteln, habe ich eine kleine Messhilfe gebaut. Sie hat einen Messbereich bis 20 cm. Aus Hartfaserstreifen habe ich einen Winkel gebastelt, auf dem zwei Streifen mit Milimeterpapier (vom Baumarkt oder von IKEA) draufgeklebt werden. Auf der Rückseite sind 3 kleine aber starke Magnete eingefasst und eingeklebt. So kann der Winkel einfach am Wagen befestigt werden und man hat freie Hand, um die Fotos zu machen..


 


Ein Maßband mit schwarzer Schrift wäre besser gewesen ... das tausche ich wohl noch einmal aus.


Bild oben: Winkel mit Magnet auf der Rückseite

Und warum eine Leiter? Weil die meisten Menschen keine 3 m groß sind. Gerade wenn oberhalb der Fenster Maße abgenommen werden müssen, dann ist eine Leiter ideal. Eine leichte Alu-Leiter hat sich bei meinem letzten Einsatz in Magdeburg sehr gut bewährt.
 

2. Übersichtszeichnungen

Für die Erfassung von Detailmaßen habe ich mir überlegt, dass ausgedruckte Skizzen/ Zeichnungen hilfreich sind. Auf den Zeichnungen werden die Abschnitte, die gemessen werden sollen, mit Nummern versehen. Darunter kommt eine Tabelle mit den Nummern und Feldern, wo die Maße dann vor Ort eingetragen werden. Das spart unheimlich Zeit. In einer dritten Zeile können später die umgerechneten Werte (z. B. 1:43) eingetragen werden.

Hilfreich kann auch eine getrennte Erfassung von Höhen- und Breitenmaßen sein.

Dann empfehle ich „Kontrollmaße“ zu erfassen. Das hilft, wenn mehrere Einzelmaße zu einem Gesamtmaß zusammengefasst werden. Ein Kontrollmaß kann z. B. ¼ vom Wagenkastenumfang sein (gemessen in Höhe der „Bauchbinde“ oder auf halber Höhe des Wagenkastens, also von Mitte des Wagenkastens auf einer Seite bis Mitte Stirnseite vorn bzw. hinten).

Und was sich auch gut im Außeneinsatz bewährt hat, das ist dickeres Papier (z. B. 120 g – Papier)

Wie sieht das z. B. aus:

Man nehme ein A4-Blatt und bedrucke es wie folgt:

Oben: Titel und darunter der entspr. Zeichnungsausschnitt (ist ein Beispiel!)

Unten: Tabelle für die Maße

 

Wenn man das Blatt mit Excel erstellt, dann können die Daten später in Excel übertragen und die Umrechnungen automatisiert werden. Das spart wieder Zeit. Auch eine vierte Zeile kann hilfreich sein. Hier könnte man die tatsächlichen Modellmaße (Zeichenmaße) eintragen. Wenn sich z. B. für eine Fenstergummidichtung ein rechn. Maß von 0,279 mm ergibt, dann würde man für die Zeichnung 0,3 oder sogar 0,4 mm verwenden.

 

3. Detailzeichnungen für einzelne Bauteile

Einfach einen Zeichenausschnitt oder nur das Bauteil erstellen und mit Maßlinien und –pfeilen versehen. Hier können die Maße direkt am Bauteil eingetragen werden. In Klammern werden später die umgerechneten Werte eingetragen. Das kann z. B. so aussehen:

Gotha-Wagen Fenstereinsatz (Dichtband und oberer Fensterrahmen für Kippfenster) seitlich (fiktive Skizze / Maße müssen nicht stimmen - nur zur Veranschaulichung)

 

Es können auch zwei Maße in Klammern erscheinen. Einmal für den Maßstab 1:43 und einmal für 1:45.

Und es gibt noch ein viel größeres Problem … einen Wagenkasten zu vermessen, ist noch relativ einfach, aber wenn es um ein Fahrgestell oder um Dachaufbauten geht, dann wird es richtig schwierig, weil sie in den meisten Fällen nicht oder nur bedingt zugänglich sind. Das Glück, ein Fahrgestell ohne Wagenkasten zu erwischen, klappt nur selten (z. B. steht im Depot12 in Rostock-Marienehe ein Fahrgestell von einem LOWA-Triebwagen). Bei größeren Instandsetzungen werden mitunter Wagenkasten und Fahrgestell voneinander getrennt. Aber nur selten bekommt man Zutritt in eine Hauptwerkstatt.
 

Wichtig!

Bei den Zeichnungen der Gotha-Wagen, die im Buch "Straßenbahnwagen aus Gotha" zu finden sind, handelt es sich bei den Maßangaben um Stahlbaumaße! Das habe ich jetzt gemerkt, als ich einige Maße am Original überprüft habe. Das ist mir bei den Fenstern aufgefallen. Misst man von Außenkante Fensterdichtung linke Seite bis Außenkante Fensterdichtung rechte Seite, so ist das Maß größer, als in den Zeichnungen angegeben und demzufolge ist der sichtbare Teil des Steges zwischen den Fenstern kleiner als das Maß in der Zeichnung (Buch). Das wusste ich bisher nicht. Ob das bei anderen Zeichnungen auch so ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
 

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